Hallo lieber Holzwürmer,
wer von uns kennt das nicht? Samstag… Vormittag… 9.30 Uhr…  cool…. noch viel Zeit heute, an einem Projekt zu arbeiten, das man sich die ganze Woche schon gedanklich „ausgetüftelt“ hatte. Da steht man nun, überdenkt nochmal kurz, mit welchem Arbeitsschritt „Man“ den nun beginnen will. Legt Werkzeug und Material bereit und will gerade….war da nicht eben was zu hören? Tatsächlich… Lieblich klingt die Stimme der besten aller Ehefrauen durch die „heiligen Hallen“. „Schaaahaatz…kannst Du bitte mal schau’n – ich hab da grad was im Internet gesehn“…. Kommt euch das bekannt vor? Wenn durch einen kleinen, lieblich ausgesprochen Satz, der sich aber wie ein 30er Forstnerbohrer gnadenlos in euren Kopf fräst, ein ganzes „Planungsgebilde“ in sich zusammenkracht? Was also tun? Weghören is nicht – also, dann los, gucken gehen…

Nach einem kurzen, schicksalsergebenen Marsch, finde ich die beste aller Ehefrauen, wer hätte das gedacht, in ihrem Arbeitszimmer, vor dem Rechner sitzen. „Schau mal”, flötet sie in meine Richtung, „ich hab Dir doch erzählt, das ich dieses Jahr die neuen Kartoffelsorten ausprobieren will, die ich für uns gekauft habe”… Ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen, lässt sie ein „paar“ Beispielbilder von verschiedenen Kartoffel-Pflanzkisten herunterrauschen. Wo sie die nur wieder alle gefunden hat….Jaaa… Tante Google und meine bessere Hälfte – man könnte meinen, das sie Schwestern sind…:-)

„Muss auch nix kompliziertes sein, so ca. 1 x 1 m und ca. 80 cm hoch würd mir schon reichen, weil, ich würd die heut gern noch pflanzen wollen“ sagt sie und schaut mich dabei erwartungsvoll von der Seite an…

„Vieleicht aus dem gleichen Material, aus dem Du die Blumenbänke gebaut hast“? „und, kannst Du die so bauen wie die hier“? fragt Sie und deutet dabei auf den Monitor, wo man eine Kartoffelkiste sieht, die aus mehreren „Rahmenteilen“ zum zusammenstecken besteht. „Aha“…sag ich nur, „nicht kompliziert also“ und in meinem Kopfkino seh ich grad, das es scheinbar auch noch größere Forstnerbohrer zu geben scheint. OK..einen Versuch ist es wert…. „Ja, schöne Idee“, hör ich mich sagen, „leider hab ich aber kein Material dafür daheim und am Samstag in den Baumarkt, das ist bestimmt nicht die beste Idee“. Sie schaut mich kurz mit diesem „Versuch erkannt – Versuch durchschaut“ Blick an und gleich darauf huschen ihre Finger über die Tastatur ihres Laptops. Zwei Augenblicke später ploppt die Internetseite meines Stamm-Holzhändlers auf. Wieder dieses flöten „Du, der Schön in Regensburg hat heut bis 12 Uhr offen“ sagt sie, „da könntest Du doch noch schnell reinfahren und da geht’s heut bestimmt nicht so zu wie im Baumarkt“. Sie steht auf, drückt mir ein Küsschen auf die Wange und ich hör sie noch sagen „und billiger ist es auch wie im Baumarkt“. Was soll „Man“ da jetzt noch sagen…? Aber, wie hat schon der alte Werkzeuggott Kneifzangus immer gesagt? Liebe ist „ihr mal schnell eine unkomplizierte Kartofell-Anpflanzkiste zu bauen“….manoman…

Eineinhalb Stunden später stand ich dann wieder in meiner Einfahrt, nur mit dem Unterschied, das ich jetzt auch noch den Hänger hinten dran hatte, weil ich mein neues Auto nicht gleich wieder mit „Holz“ einsauen wollte. Auf dem Hänger lagen 20 Meter Terrassendielen aus Sibirischer Lärche, geriffelt. Der freundliche Schön-Mitarbeiter hatte mir die über 4 Meter langen „Pakete“ mittig geteilt und mir damit eine Fahrt „unter roter Flagge“ erspart. Acht Meter KFH mit 45 x 70mm, ebenfalls aus Sibierischer Lärche, hatte ich auch noch mitgenommen. Kostenpunkt alles zusammen: knapp EUR 100,-

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Leider hab ich nicht sooo viel Platz in der Werkstatt, damit ich gleich alles Material reinbringen kann. Ich muss also immer alles schön „der Reihe nach“ verarbeiten.

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Die Kartoffelkiste soll aus 5 Rahmenteilen bestehen. 105,4 x 100 x 14,3 cm. Die Bretter haben eine Dicke von 27mm. Warum dieses „krumme“ Maß? Da die Bretter nach dem „Trennschnitt“ noch knapp über 2 Meter in der Lange hatten und ich das Material so gut es geht ausnutzen wollte, habe ich mich für eine einheitliche Länge von 100 cm pro Brett entschieden. 100 cm + 2 x die Brettstärke ergibt 105,4 cm…

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Bei solchen Arbeiten ist der INCRA Shop Stop in seinem Element.

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Die 20 Bretter sind dann auch schnell abgelängt. Was mich bei meinem Holzhändler immer wieder freut, das das Material wirklich von guter Qualität ist und man nicht, wie so oft im Baumarkt, die krummen und verdrehten Bretter kaufen muss, weil wieder mal alles ausgeklaubt oder grad nix auf Lager ist.

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Weil ich die Rahmenteile nur stumpf mit 5 x 50er SPAX verschrauben will, bohre ich pro Rahmenteil immer zwei Bretter vor und geh auch nochmal mit dem Senker drüber. Das Auge „isst“ ja schließlich auch mit…

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Dann werden die einzelnen Bretter zu einem Rahmenteil zusammen geschraubt.

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Kaum macht man ein ein paar Teile, schon wird’s wieder kuschelig in der Werkstatt…

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Nun kommt das KVH 45 x 70 mm „unters Messer“…20 Stück mit 130 mm für die Abstandshalter der Rahmenteile.

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Damit sie in den Ecken leichter zusammen rutschen, hab ich sie noch ein wenig „angeschrägt“.

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10 Stück „linksdrehend“ und 10 Stück „rechtsdrehend“…:-)

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Danach noch schnell die Kanten ein wenig „gerundet“, damit sich der Tellerschleifer nicht zu sehr langweilt…

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Die Abstandklötze stehen auf der unteren Seite 4 cm über. Auf der oberen Seite bleibt ein Platz von 4,5 cm. Festgehalten von 5 x 65er SPAX.

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So bleiben 5 mm Spielraum zwischen den Abstandhaltern. Sollte beim Befüllen ein wenig Erde auf den Klötzen zurück bleiben, liegen die Rahmenteile trotzdem noch bündig auf.

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Die Teile passen alle „saugend“ zusammen, lassen sich aber trotzdem wieder leicht voneinander lösen.
Bevor die beste aller Ehefrauen das Teil zu Gesicht bekommt, muss immer erst mein „Werkstatthelfer“ der Flori, mein „Werk“ in Augenschein nehmen.

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Bauzeit, incl. Materialbeschaffung und gemütlicher Bauweise ca. 4 Stunden. Unterbrochen nur durch ein Kaffeepause….:-)
Leider hat es an diesem Samstag mit dem „Anpflanzen“ nicht mehr geklappt. Was aber nicht am meiner langsamen Arbeit, sondern am Regen lag…:-)

Servus, der Lothar


Hier zeige ich euch noch ein paar Fotos der Kartoffelkiste nach dem ersten Anpflanzen.

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Leider waren die Saatkartoffeln der zweiten Sorte nicht mehr in Ordnung, deshalb ist in der Kiste noch Platz.

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Hier wird das erste Mal frische Erde nachgefüllt, damit die Kartoffeln weiter schön nach oben neue Knollen bilden können.

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Nun wird der Platz schon weniger…

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Hier wurde nun schon zum vierten Mal neue Erde nachgefüllt und die Kiste ist jetzt gut gefüllt. Stand des letzten Fotos ist Sonntag, 09. Juli 2017
Ich werd euch bis zur Erntezeit auf dem laufenden halten.

Servus, der Lothar